Desinformation im Internet

Gefahren im Netz

Wir starten in das Wahljahr 2017. Die westlichen Geheimdienste warnen vor Russland, da Putin und der Kreml angeblich Trump zum Wahl-Sieg verholfen haben. Die Sorge um Einflussnahme auf die Bundestagswahl steigt, wurde der Bundeswahlleiter Dieter Sarreither zitiert. Begriffe wie Fake News und Desinformation nehmen zunehmend in den Medien Platz ein und gewinnen auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Es gibt kein hundertprozentig sicheres Verfahren, um Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. In diesem Artikel geben wir Ihnen Tipps, wie Sie selbst ganz einfach herausfinden können, ob Informationen korrekt sind oder es sich um Desinformationen handelt. Zunächst starten wir jedoch mit der aktuellen Medienlage.

Fake News beeinflussen unsere Demokratie negativ

Im Zuge der Flüchtlingsdebatten und den damit im Zusammenhang stehenden Falschmeldungen und Hasskommentaren von Flüchtlingsgegnern hielt der Begriff Fake News Einzug in unseren Sprachgebrauch. Spätestens seit der Omnipräsenz von Trump in den Medien wird das Kunstwort Fake News immer häufiger verwendet. Wiederholend, hieß es, dass Fake News zum Wahlsieg des Unternehmers führten. Deutsche Politiker berichten, dass sie zunehmend verleumdet, beschimpft und bedroht werden. Für die einfache und schnelle Verbreitung werden soziale Netzwerke genutzt, denn kein anderer Kommunikationskanal ist vergleichbar effektiv.

Soziale Netzwerke unter Druck – Facebook markiert Fake News

Soziale Netzwerke, allen voran Facebook, geraten nun zunehmend unter politischen Druck, denn bisher sind sie nur halbherzig gegen Fake News vorgegangen. Nach einer ersten Testphase in den USA, startet Facebook jetzt in Deutschland mit den ersten Maßnahmen, wie der Meldefunktion, Faktenprüfung und Warnhinweisen, um gegen Fake News vorzugehen. Die Meldefunktion für Spam, Beleidigungen und andere Verstöße wird dabei auf Fake News erweitert. Bei einer großen Anzahl von Meldungen wird der Beitrag von externen Faktenprüfern überprüft. Sollten Beiträge falsche Behauptungen oder Inhalte aufweisen, dann werden diese mit deutlichen Warnhinweisen als zweifelhaft gekennzeichnet. Facebook Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ist der Auffassung, dass Facebook nicht allein entscheiden kann, welche Beiträge der Wahrheit entsprechen. Vielmehr arbeitet Facebook mit Experten zusammen, die Inhalte prüfen und diese im Falle von Fake News entsprechend kennzeichnen. Facebook löscht auch weiterhin keine Beiträge, denn das Unternehmen versteht sich als Plattform, die es den Nutzern ermöglicht, Inhalte zu teilen. Politiker fordern nun leicht zugängliche Beschwerdestellen und eine Reaktion auf bedenkliche Inhalte binnen 24 Stunden. Ein Verstoß würde mit einem Bußgeld geahndet werden. Mittlerweile wird auch über das Mindeststrafmaß von Hass-Kommentaren diskutiert.

Was sind Desinformationen?

Die gezielte Verbreitung von falschen oder irreführenden Informationen wird als Desinformation bezeichnet. Es handelt sich um Desinformation, wenn sich der Urheber oder Verbeiter bewusst darüber ist, dass die Information nach objektiven Maßstäben falsch ist. Es gibt viele verwandte und synonym verwendete Begriffe:

  1. Gerüchte, überspitze Sachverhalte oder Halbwahrheiten
  2. Fake News, also Hoaxes, Falschmeldungen oder Falschinformationen

Der Verbreiter von Desinformation will meist die öffentliche Meinung, Gruppen oder Einzelpersonen beeinflussen, um dadurch Unterstützung für sein politisches oder wirtschaftliches Anliegen zu bekommen. Die konkreten Ziele können dabei sehr unterschiedlich sein: von allgemeiner Stimmungsmache über konkrete Täuschung der Bevölkerung bis hin zur Verwirrung des Gegners. Desinformationen können ausgehen von:

  • Staatlichen Akteuren (Geheimdienste oder Militär)
  • Politischen Partien
  • Lobbygruppen
  • Einzelpersonen

Zur Desinformation der Bevölkerung wurden bisher klassische Medien, wie TV, Presse und Rundfunk, eingesetzt. Durch das Internet und somit leicht zugängliche Online Magazine oder Social Media Plattformen, ist es um ein Vielfaches einfacher geworden, Fake News zu verbreiten. Einzelpersonen und Gruppen erreichen so ohne großen regulatorischen Einfluss eine große Anzahl von Menschen mit falschen Informationen. Im deutschsprachigen Raum wird im Zusammenhang mit dem Internet der Begriff Fake News zurzeit synonym zum Begriff Desinformation verwendet. Fake News können unterschiedliche Formen annehmen. Im Folgenden sind die häufigsten Themeninhalte aufgelistet:

  • gefälschte Todesmeldungen von Persönlichkeiten
  • gefälschte Berichterstattung von Terroranschlägen oder Attentaten mit Verletzten oder Toten
  • Meldungen, die (gefälschte) Attentate und Terroranschläge verherrlichen
  • Meldungen, die bei einer größeren Menge an Menschen Angst schüren und dadurch das öffentliche Leben beeinflussen
  • Meldungen, welche die öffentliche Ordnung stören
  • Meldungen, die Stimmung gegen Minderheiten machen
  • Meldungen, die rechtsradikale Ansichten verbreiten
  • Meldungen, die allgemein politisch motiviert sind

Ein Beitrag von der ARD skizziert das Phänomen und die Mechanismen, wie Social Bots agieren:

Wie Sie sich vor Desinformation schützen & Fake News erkennen

Online in den sozialen Netzwerken verbreiten sich aktuelle Nachrichten und darunter leider auch Fake News, wie ein Lauffeuer. Die Güte von Informationen zu prüfen, ist dabei nicht immer einfach. Diese wird besonders durch “Soft Facts“, wie Vertrauenswürdigkeit, Verlässlichkeit oder Aktualität, bestimmt. Wir haben für Sie ein paar Tipps zusammengestellt, wie Sie Informationen im Internet ganz einfach überprüfen können:

  1. Aktualität der Meldung
  2. Vollständigkeit des Inhalts
  3. Informationsquelle
  4. Inhaltlicher Gegencheck
  5. Bilder & Video Check
    1. Aktualität Achten Sie auf die Aktualität von Meldungen, da die Gefahr besteht, dass veraltete Informationen wiedergegeben werden, die nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Besonders bei Nachrichten aus Politik und Wirtschaft ist dies sinnvoll.Nachrichtenmeldungen überprüfen Sie mithilfe von Suchmaschinen (z.B. Google) auf ihre Aktualität. Zunächst kann allgemein nach der Überschrift gesucht und somit geprüft werden, ob diese bereits zu früherer Zeit veröffentlicht wurde.Wenn dies auf den ersten Blick nicht erkennbar ist, können Sie mit dem Filter den Zeitraum genauer eingrenzen. Die Aktualität einer Meldung allein sagt jedoch noch nichts über ihren Wahrheitsgehalt aus!
    2. Vollständigkeit des Inhalts Wer sich im Internet gezielt zu einem Thema informieren möchte, muss sich meistens auf mehreren Seiten informieren, bis er gefunden hat, wonach er sucht. Vermuten Sie auf einer Seite große Informationslücken zu einem Thema und bezweifeln die Vollständigkeit, können Sie zunächst auf der Seite selbst das Informationsangebot prüfen. Gehen Sie dafür auf die Startseite (z.B. durch Kürzen der URL oder Klick auf das Website-Logo). Von dort aus können Sie sich wieder bis zum Artikel klicken und finden auf dem Weg dahin möglicherweise weitere, bisher fehlende Informationen.Für die Vollständigkeit sollte auch dem Text an sich Aufmerksamkeit geschenkt werden. Schauen Sie sich genau an, wie der Text formuliert ist. Wird der Sachverhalt in der Meldung überspitzt dargestellt, mit wenig Informationsgehalt und überwiegend Meinungen aus wenig fundierten Quellen, dann sollten Sie besondere Vorsicht walten lassen, was die Richtigkeit der Informationen angeht. Zitate und deren Quellen lassen sich zudem mit wenig Aufwand und Recherche, unter Zuhilfenahme von Suchmaschinen, überprüfen.
    3. InformationsquelleNeben der Qualität und Vollständigkeit des Inhalts, sollten Sie auch die Informationsquelle an sich kritisch betrachten. Stammt die Information von einer Ihnen unbekannten Quelle, sollten Sie diese überprüfen. Ein Blick ins Impressum der Website gibt Aufschluss über die Seriösität der Quelle. Im Impressum wird angegeben, wer für den Inhalt der Seite verantwortlich ist. Sind dort unvollständige oder fehlerhafte Angaben oder ist gar kein Impressum zu finden, ist die Quelle kritisch einzuordnen. Hier stellt sich die Frage: Wieso sollte ein Verfasser nicht für seine Inhalte haften wollen? Jedoch werden die Angaben im Impressum nicht von Dritten auf Richtigkeit überprüft, sodass auch hier die Gefahr der Täuschung bestehen kann.Werden Informationen über Social Media verbreitet, sollten Sie die ursprüngliche Quelle überprüfen. Dort kommt es immer wieder vor, dass Artikel mit gefälschten Überschriften, Fotos oder Zitaten in falschem Zusammenhang geteilt werden. Nehmen Sie sich kurz die Zeit, einen Blick auf die Originalquelle zu werfen.Bei aktuellen Ereignissen ist es zudem ratsam sich direkt bei den offiziellen Stellen zu informieren. Im Fall von Attentaten und Terroranschlägen informiert zum Beispiel die zuständige Polizeibehörde laufend auf Twitter.
    4. Inhaltlicher GegencheckUm weitere Zweifel über die Richtigkeit einer Information aus dem Weg zu räumen, können Sie sich für den Faktencheck die Meinung Dritter einholen. Überprüfen Sei mittels Suchmaschine, ob das Thema der Meldung von verschiedenen Medien und Journalisten aufbereitet wurde. Prüfen Sie also, ob es andere seriöse Quellen dazu gibt oder ob es sich möglicherweise nur um anonyme Meldungen handelt, die aus einer anderen Quelle kopiert wurden. Die Google Suche bietet beispielsweise den News-Reiter für die gezielte Suche nach Nachrichteninformationen an.Alternativ können Sie bei den Suchbegriffen in der klassischen Googlesuche den Zusatz „Fake“ hinzusetzen. Dann werden Ihnen meistens im Falle von Falschmeldungen entsprechende Seiten von Fake-Überprüfern angezeigt, die Falschmeldungen sammeln. Oder Sie suchen gezielt bei solchen Internet-Portalen, wie z.B. hoaxsearch.com z.B. hoaxsearch.com, oder von Journalisten betrieben Seiten, wie uebermedien.de, mittels Suchbegriff nach Falschmeldungen.
    5. Bilder & Video CheckSuchmaschinen können ebenso beim Gegencheck von Bildern und Videos helfen. Falsche Videos lassen sich mit mit YouTube Data Viewer von Amnesty International überprüfen. Nach Eingabe einer Video-URL erhält man eine Übersicht über die für das Video hinterlegten Vorschaubilder. Neben jedem Bild wird ein Link angezeigt, der zeigt, wo das Bild möglicherweise schon einmal verwendet wurde.Für die Überprüfung von Bildern klicken Sie in der Google Bildersuche in der Suchleiste auf das Kamera Symbol. Dann können Sie das zu überprüfende Bild entweder hochladen oder die Bild-URL einfügen. Google sucht daraufhin dasselbe oder ähnliche Bilder raus. In den Suchergebnissen kann überprüft werden, wo das Bild sonst noch auftaucht, wann das Bild möglicherweise das erste Mal aufgetaucht ist, also ob es überhaupt aktuell ist und auf welchen Seiten es verwendet wird.

Die wichtigste Grundregel: Seien Sie misstrauisch!

Fake News sind kein neues Phänomen, sondern in unterschiedlichen Formen von Desinformation schon lange bekannt. Wichtig im Internetzeitalter ist, dass Sie sich darüber im Klaren sind, dass nicht alle Informationen im Internet der Wahrheit entsprechen und gezielt gefälscht sein können. Im Internet sollten Sie ihren gesunden Menschenverstand nicht vergessen: Seien sie misstrauisch und lassen Sie Skepsis zu! Sind Sie sich bei einer Information nicht sicher, dann überprüfen Sie diese und fallen nicht auf gefälschte Nachrichten rein. Wenn Sie Fake News finden, dann können Sie diese beispielsweise bei der Initiative mimikama.at melden. Auf dieser Plattform werden Hinweise verfolgt und transparent dargestellt.

Sind Fake News strafbar?

Wenn Sie auch nach der Prüfung von Informationen nach wie vor Zweifel haben, dann verbreiten Sie diese Nachricht auf keinen Fall weiter. Sollte es sich tatsächlich um eine Falschmeldung handeln, können Sie sich sonst strafbar machen. Denn: Durch die Weiterverbreitung machen Sie sich die Falschinformation zu Eigen und hierfür können Sie belangt werden. Mit Blick auf das Wahljahr 2017 fordern viele Politiker Fake News härter zu bestrafen. Das Problem bei der Strafverfolgung ist, wie allgemein bei Cyberkriminalität, dass die Urheber und Verbeiter meist anonym im Internet agieren und das Darknet für Ihre Zwecke nutzen. Dies ist ein Bereich mit vielen Graubereichen, wo die Grenze für Strafverfolgung nur schwer gezogen werden kann. In einer offenen Gesellschaft ist die Linie zwischen subjektiver und objektiver Wahrheit nicht in allen Fällen offensichtlich. Die gezielte Strafverfolgung und Regulierung von Fake News bleibt also schwierig. Wichtiger ist es zunächst ein allgemeines Bewusstsein für Desinformationen zu schaffen.

Owl — Ihre digitale Alarmanlage zum Schutz vor Identitätsdiebstahl

Nur 4,49 €/Monat (inkl. MwSt.)

Mehr zum Thema

0 Kommentare

Share This