Was ist das Darknet

Gefahren im Netz

Wichtige Informationen im Überblick

Das sagenumwobene Darknet ist durch permanente Medienpräsenz zum Mythos geworden. Spätestens seit dem Amoklauf in München Mitte letzten Jahres macht das Darknet seinem Namen alle Ehre. Der Grund: Mit einer im Darknet erworbenen Waffe tötet der 18-jährige Schüler David S. am 22. Juli 2016 im Olympia-Einkaufszentrum in München neun Menschen und dann sich selbst. Nach dieser entsetzlichen Meldung erhielt Google so viele Suchanfragen wie noch nie zum Stichwort „Darknet“.

Quelle: google.de/trends

Der Begriff des dunklen Webs ist für die meisten ein abstrakter Begriff. Im folgenden Artikel klären wir daher auf, worum es sich beim Darknet wirklich handelt:

Das Darknet:

  • ist Teil des Deep Webs, das nicht von Suchmaschinen erfasst wird
  • ist eine Ansammlung anonymer Netzwerke
  • tauscht Daten verschlüsselt über mehrere Computer aus
  • wird über ein spezielles Software-Programm (Tor-Browser-Paket) und Linklisten erreicht
  • handelt in der Währung Bitcoins
  • ist nicht grundsätzlich illegal, gewisse Handlungen hingegen schon

Was unterscheidet das Darknet vom „normalen“ Internet?

Das Darknet ist ein Teil des sogenannten Deep Web, dem Bereich des Internets, der nicht durch klassische Suchmaschinen wie Google und Co. erfasst wird, sondern nur durch spezielle Tools erreichbar ist.

Beim Darknet handelt es sich nicht um eine Seite oder einen zentralen Server, sondern eine Verbindung von verschiedenen anonymen Netzwerken. In Deutschland nutzen täglich circa 186.000 Personen das Tor-Netzwerk, also den Zugang zu diesem speziellen Bereich des Internets. Nur die USA und Russland weisen höhere Nutzerzahlen auf.

Einer der Unterschiede zum konventionellen Internet liegt darin, dass Seitenaufruf-Anfragen nicht an einen Server gestellt werden, sondern die Zugänge zu den Darknet-Seiten auf einzelnen PCs liegen. Die Daten, die bei den Transaktionen und der Kommunikation angegeben werden, durchqueren folglich verschiedene PCs.

Der Zugang zu den Webseiten verläuft hauptsächlich über Linklisten, die sich die Nutzer untereinander zuschicken. Grundsätzlich basiert der Austausch im Darknet auf Kontakten und Empfehlungen, sodass sich bei der Nutzung eine gewisse Hürde ergibt, die bei dem uns bekannten Internet nicht vorhanden ist. Ohne eine Art „Einladung“ verlieren sich die Nutzer schnell und surfen ohne wirkliches Ziel. Zusätzlich lassen die Internet-Adressen (URLs) nicht auf die Inhalte der Webseiten schließen. Diese ähneln unserem fiktiven Beispiel: http://hltkzttdgfddhjri.onion.

Was wird im Darknet angeboten? Grenzenlose Vielfalt, vorrübergehendes Angebot

Das Internet vergisst nie? Das Darknet schon. Nicht alle Seiten des Darknets können zu jeder Zeit aufgerufen werden. Sobald die Nutzer ihre PCs ausschalten, verschwindet auch das Angebot. Die Verfolgung möglicher illegaler Waren und ihrer Anbieter wird somit erschwert.

Trotz der temporären Verfügbarkeit der Angebote ist die Vielfalt der Produkte nicht zu unterschätzen: Experten vermuten eine 500-mal größere Datenmenge im Darknet als im gewohnten Internet. Zu den häufigsten Inhalten gehören raubkopierte Medien, wie Filme und Serien, illegale Softwarelizenzen sowie Waffen und Drogen.

Weitere Felder der Cyberkriminalität werden ebenfalls angeboten. So können Käufer gestohlene Zugangsdaten zu Online-Shops, wie Amazon, Film- und Seriendiensten, wie Netflix und gestohlene sensible Daten, wie Kreditkartennummern oder Personalausweise erwerben. Dabei greifen die Nutzer auf eine digitale Währung, die sogenannten Bitcoins, zurück, die an Online-Börsen gegen reales Geld getauscht werden können.

Eine im Februar 2016 durchgeführte Studie von Intelliagg hat die die Top 3 Inhalte des Darknets identifiziert:

  1. File Sharing, also Medien, die zum illegalen Download angeboten werden, mit einem Anteil von 29 Prozent
  2. Gestohlene Daten wie Zugangsdaten und Kreditkartennummern mit einem Anteil von 28 Prozent
  3. Finanzbetrug mit einem Anteil von 12 Prozent

Wie funktioniert das Darknet? Einfacher Einstieg, schwierig nachzuvollziehen

Schnell lässt sich vermuten, dass der Zugang zu einer solchen Umgebung kompliziert gestaltet wird, damit nicht jeder Zutritt erhält. Leider sieht die Realität anders aus: Der Einstieg in das Darknet ist für jeden Digital Native oder jeden, der sich ein wenig mit Technik auskennt, einfach.

Ein spezielles Software-Programm, der Tor Browser (Tor steht für „The Onion Router“), kann wie gewohnt mit Google gefunden, aus dem bekannten Internet heruntergeladen und auf dem PC installiert werden. Dieser ermöglicht dem Nutzer das Darknet aufzurufen.

Dabei handelt es sich dann nicht um einen abgeschotteten Ort, der separat aufgesucht wird. Die Seiten können ganz einfach, neben bekannten Webseiten, wie Facebook, Amazon und Co., aufgerufen werden. Nichtsdestotrotz gilt zu berücksichtigen, dass die Größe des Darknets und dessen Vernetzung ohne Kontakte kaum überschaubar sind und den Nutzer daher häufig verwirrt.

Die reine Nutzung des Darknets ist dabei übrigens nicht illegal. Der Datenverkehr findet hoch verschlüsselt über mehrere Computer statt und den einzelnen PCs werden keine IP-Adressen zugeordnet. Die Nutzer bleiben somit anonym. Das macht den Reiz des Darknets aus. Das macht es aber auch so gefährlich.

Obwohl die Verfolgung von Straftätern im „normalen“ Web dank IP-Adressen und Lockvögeln mittlerweile große Fortschritte gemacht hat, ist die Bekämpfung der Kriminalität im dunklen Netz noch nicht so weit entwickelt. Aufgrund der verschlüsselten Datenübertragung über mehrere Rechner werden eine Identifikation und damit eine Verfolgung straffälliger Taten enorm erschwert.

Weiterführende Informationen zu der Funktionsweise des Darknets finden Sie in einem kurzen, aber informativen Video des ZDF.

Die dunkle Seite des Internets?

Ein üblicher Fehler besteht darin, das Darknet ausschließlich mit Kriminalität zu verbinden. Unbestritten ist ein Großteil der Aktivitäten illegaler Natur. Darüber hinaus bietet dieser Bereich des Internets aber auch Möglichkeiten, die in der heutigen medialen Welt nicht mehr als gegeben vorausgesetzt werden können. So bietet es zum Beispiel Widerstandskämpfern in totalitären Staaten den einzigen Raum, sich frei zu äußern und sich untereinander zu vernetzen, da andere Portale wie Foren oder soziale Netzwerke unter Umständen von der Regierung gesperrt werden.

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Das Darknet ist und bleibt Ort von kriminellen Handlungen, wie zum Beispiel Identitätsdiebstahl Sobald Sie es aufrufen, werden Sie Teil des Darknets und im Zweifel machen Sie sich mitschuldig. Durch die Nutzung des Tor-Browser-Pakets ermöglichen Sie, dass die Daten, die über alle PCs ausgetauscht werden, eben auch Ihren PC durchlaufen, um den jeweiligen Empfänger zu erreichen. Welche Daten dort übermittelt werden, lässt sich dann nicht mehr kontrollieren.

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