Datendiebstahl Und NFC-Technologie

Gefahren im Netz, Trends und Tipps

Was ist NFC-Technologie und wie sicher sind Ihre Daten?

Schnell und bargeldlos an der Kasse vom Supermarkt mit dem Handy bezahlen, indem es für einen kurzen Moment an ein entsprechendes Terminal gehalten wird? Das ist dank der NFC-Technologie kein Wunschdenken mehr. Immer mehr Einzelhandelsgeschäfte bieten den Service der unkomplizierten Transaktion für Ihre Kunden an und mittlerweile sind auch alle neueren EC- und Kreditkarten mit einem NFC-Chip versehen. Doch die fortschrittliche Technologie birgt aufgrund der unverschlüsselten Datenübertragung ihre Gefahren. Im folgenden Artikel stellen wir uns daher die Fragen „Was ist NFC?“, „Wie sicher ist NFC bezogen auf Ihre Daten?“ und „Wie können Sie sich vor Datenmissbrauch schützen?“.

Was ist NFC und wie funktioniert es?

NFC steht für Near Field Communication, übersetzt „Nahfeldkommunikation“. Die Technologie wurde 2002 von der ehemaligen Philips-Tochter NXP und Sony entwickelt und wird als der Nachfolger von Bluetooth und RFID gehandelt. Mit NFC wird ein kontaktloser Austausch von Daten über eine geringe Distanz möglich.

Es wird zwischen aktiven und passiven NFC-Geräten unterschieden. Die aktiven Lesegeräte können Daten sowohl senden als auch auslesen, während die passiven Lesegeräte nur senden können. Hierin liegt auch der wesentliche Unterschied zur RFID-Technik (radio-frequency identification / Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen), auf der die Funktionsweise von NFC basiert. Während bei RFID klar zwischen Sender und Empfänger – also aktiv und passiv – differenziert wird, ist bei NFC sowohl die Paarung aktiv – passiv als auch aktiv – aktiv möglich. Die RFID Technologie wird zum Beispiel zum kontaktlosen Öffnen von Türen, für den Reisepass (ePass) oder auch in Büchereien zum Verbuchen und Sichern von Medien verwendet.

Zu den passiven NFC-Transmittern zählen unter anderem: Papiertags, Schlüsselanhänger und Armbänder.

Ein Beispiel für einen aktiven Transmitter, der sowohl Inhalte übermitteln als auch auslesen kann, ist der Akku eines Handys. Darüber hinaus gibt es heutzutage auch sogenannte NFC-Tags als Sticker, die nachträglich am Handy angebracht werden können. So muss das Gerät nicht zwangsläufig bereits bei der Herstellung mit einem NFC Chip versehen werden.

Die NFC-Datenübertragung erfolgt mittels elektromagnetischer Induktion und ist nur bei einer geringen Distanz möglich. Dazu werden die Geräte nah aneinander gehalten, um den Datenaustausch zu ermöglichen. Die maximale Entfernung zwischen den Geräten beträgt 10 cm. Damit liegt die Reichweite unter der von Bluetooth. NFC ergänzt Bluetooth sinnvoll, denn das Erstellen von Verbindungsschlüsseln beim erstmaligen Kommunizieren zwischen zwei Geräten ist mit NFC nicht mehr erforderlich.

Mit der NFC-Technologie können unterschiedlichste Daten übertragen werden. Hierzu zählen unter anderem Telefonnummern, Kreditkartendaten, EC-Kartendaten, Bild- und Musikdateien oder digitale Berechtigungen. Die maximale Datenübertragungsrate ist auf 424 kBit/s beschränkt und liegt damit deutlich unter der von Bluetooth.

Einsatzgebiete der NFC-Funktion

NFC hat bereits Einzug in zahlreiche Gebiete unseres alltäglichen Lebens gefunden. So wird es bei der Übertragung von Daten zur Bluetooth- oder WLAN-Authentifizierung sowie beim Online-Banking verwendet. Außerdem dient es der papierlosen Zugangskontrolle, zum Beispiel bei Eintrittskarten für Konzerte. Auch der deutsche Personalausweis der neueren Generation ist NFC-kompatibel.

Vorwiegend wird die NFC-Technologie aber im Bereich der bargeldlosen Bezahlung von kleineren Geldbeträgen eingesetzt. So greifen zum Beispiel Sparkassen oder die Deutsche Bahn auf die Technologie zurück. Mittlerweile sind zudem alle neuen EC- und Kreditkarten mit einem NFC-Chip ausgestattet. Zu den bekanntesten Anbietern gehören zum Beispiel Girogo, Paypass und PayWave. Sie ermöglichen Überweisungen bis zu 25 € ohne Unterschrift oder die Eingabe einer PIN. Kompatible NFC-Terminals finden Sie bereits in:

  • Lebensmittelgeschäften wie Edeka und Netto
  • Der Parfümerie Douglas und der Drogeriekette DM und
  • Diversen Tankstellen.

Auch immer mehr Smartphone-Hersteller integrieren die NFC-Funktion in ihre Handys (Google Wallet und Android Pay), um sie für den Bezahlvorgang aber auch zum Auslesen von Daten nutzen zu können

Der Vorteil der Technologie liegt auf der Hand: schnelles, unkompliziertes und bargeldloses Bezahlen. Dieses Alleinstellungsmerkmal ist aber auch gleichzeitig die größte Sicherheitslücke. Denn ohne PIN-Eingabe oder anderweitige Authentifizierung, werden die Daten unverschlüsselt übermittelt. So können Dritte, die sich in Reichweite (10 cm) befinden, sensible Daten einfach auslesen und missbrauchen.

Sind Ihre Daten bei NFC-Kreditkarten sicher?

Besonders gefährdet von einem Datenmissbrauch  ist der Bereich des kontaktlosen Bezahlens. Hier besteht ein großes Problem mit dem dauerhaften Funksignal der Kreditkarten mit NFC-Chip. Denn nicht nur die Zahlungsterminals in den Geschäften können das Funken antizipieren bzw. die Signale empfangen. Mittlerweile gibt es auch Smartphone-Apps, die es Dieben ermöglichen, die unverschlüsselten Kreditkartendaten (wie die Kreditkartennummer, das Ablaufdatum und zum Teil auch die Namen der Kreditkarten-Inhaber) auszulesen.

Es wird argumentiert, dass die Sicherheit der Übertragung dadurch garantiert werde, dass NFC nur auf geringer Distanz funktioniert. Diebe müssten so sehr nah an Sie herankommen und dies würde Ihnen sicherlich auffallen. Das schränkt die Gefahr eines Missbrauchs aber nur geringfügig ein. Denken Sie beispielweise daran, wie dicht sie in Menschenmengen aneinander stehen. Dabei ist es ein leichtes, ein für den Datendiebstahl präpariertes Handy für einige Sekunden an Ihre Gesäßtasche oder Ihre Handtasche zu halten.

Auch die Höchstgrenze des Geldtransfers von 25 € täuscht nur Sicherheit vor. Jedoch ist dieses Abbuchungslimit zeitlich begrenzt und kann durch spezielle Software aufgehoben werden. Sobald die Diebe in Besitz der gestohlenen Kreditkartennummer und dem Ablaufdatum sind, können Sie in den meisten Online-Shops, wie zum Beispiel Amazon, weitere Bestellungen tätigen, die einen Wert von 25 € überschreiten. Unbefugte können hier also Einkäufe zu Ihren Lasten tätigen.

Folgendes Video zeigt Ihnen eindrücklich, welche Gefahren mit der (oft unbewussten) Nutzung von NFC entstehen:

So schützen Sie Ihre NFC-Karte vor Datenmissbrauch

  1. Prüfen Sie vorab, ob Sie eine Giro- oder Kreditkarte mit NFC-Chip besitzen. Dies erkennen Sie anhand des Symbols, das einem WLAN-Symbol ähnelt. Wenn Sie gänzlich auf die Funktion des kontaktlosen Zahlens verzichten möchten, können Sie eine Karte ohne Chip bei Ihrer Bank beantragen.
  2. Nutzen Sie für Ihre Karten eine spezielle Schutzhülle. Dadurch wird vermieden, dass die Funkwellen nach außen getragen und die Daten von einem anderen Gerät ausgelesen werden können. Hierbei hilft auch bereits die Anordnung der Karten in Ihrer Geldbörse. Stecken Sie die NFC-Karte zwischen andere Karten, um die Funkwellen möglichst abzuschirmen.

NFC und die Sicherheit Ihrer Daten – ein Fazit

NFC ist eine fortschrittliche Technologie unserer heutigen Zeit und vereinfacht den Alltag dank der schnellen und kontaktlosen Bezahlung. Kein langes Anstehen an der Supermarkt-Kasse, kein Kleingeld-Sammeln aus dem Geldbeutel und kein langes Suchen nach dem Konzert-Ticket in der Handtasche.

Doch der größte Vorteil der NFC-Technologie ist auch gleichzeitig dessen größtes Sicherheitsproblem. Die Daten werden bei der Übertragung unverschlüsselt übermittelt. Wenn es Dieben gelingt, diese abzufangen, können allein mit der Kreditkartennummer und dem Ablaufdatum der Karte Einkäufe in der Mehrheit der Online-Shops auf Ihre Kosten getätigt werden.

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