Ist das Darknet illegal und ein rechtsfreier Raum?

Inkognito im Netz, Trends und Tipps

Wir sprachen mit Wilhelm Dolle, Cyber Security Experte und Partner der KPMG AG, im Bereich Security Consulting zum Thema Strafverfolgung im Darknet. Herr Dolle ist seit über 20 Jahren Experte für Informationssicherheit. Er ist nicht nur Lehrbeauftragter an zahlreichen Hochschulen, sondern verfasste auch entscheidende Studien zum IT-Sicherheitsgesetz und ist erfolgreicher Autor diverser Fachbeiträge renommierter Zeitschriften.

Wir traten mit Wilhelm Dolle ins Gespräch und fragten neugierig, wie illegal das Darknet ist, denn wir vermuten, dass viele Mythen, die sich um das Darknet ranken, sich nicht als wahr erweisen. Gemeinsam mit Herrn Dolle betreiben wir im folgendem Aufklärungsarbeit und skizzieren detailliert die rechtliche Situation rund um das Thema „Darknet“. 

Herr Dolle, das Darknet gilt als Schwarzmarkt des Internets. Insbesondere im Zusammenhang mit Drogen- und Waffenhandel, Terroranschlägen und Kinder-Pornographie wird das Darknet immer wieder als Marktplatz für Schwerstkriminelle dargestellt. Können Sie uns als Cyber Security Experte aufklären, inwiefern das Darknet tatsächlich illegal ist?

Zunächst einmal sollte man das Darknet als das sehen, was es ist: eine Möglichkeit anonym im Netz zu surfen. Technisch gesehen gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein verstecktes und geheimes Darknet im Netz zu konstruieren. Durchgesetzt hat sich allerdings vor allem eine Lösung: das Darknet mittels der kostenlosen Software Tor. In Deutschland wurde das Thema Darknet in einer Reihe von Dokumentationen, Kino- und Fernsehfilmen (bsp. Tatort) sehr stark in die illegale Ecke gedrängt. Die Macher von Tor betonen allerdings, dass Tor nicht ausschließlich mit Darknet-Angeboten wie Silk Road oder AlphaBay gleichgesetzt werden solle. Von den gut zwei Millionen Menschen, die Tor weltweit täglich nutzen, greifen lediglich zwischen einem und drei Prozent auf Tor Onion Services zu. Der Rest nutzt Tor, um anonym auf ganz normale Webseiten zuzugreifen. Kriminelle haben andere, einfachere Wege, an Waffen, Drogen oder pornographisches Material zu kommen. Häufig sind die Seiten, die illegale Waren anbieten auch nichts weiter als Fakes. Die bestellten und bezahlten Waren werden nie ausgeliefert.

Ab wann macht sich der Internetuser strafbar? Schon beim Herunterladen des Tor-Browsers, den man benötigt, um sich im Darknet bewegen zu können oder beim Surfen im Darknet oder erst beim Bestellen von illegalen Gütern, wie Waffen und Drogen?

Die Nutzung von Technologie wie Tor ist an sich, ist nicht strafbar. Erst wenn man illegale Aktionen damit vollzieht, begeht man strafbare Handlungen. Ich vergleiche Technologie wie Tor gerne mit einem Messer. Der Verkauf, Besitz und das reguläre Nutzen von Messern ist erlaubt, wenn ich aber einen anderen Menschen damit bedrohe oder verletze, mache ich mich strafbar.

Die Strafverfolgung gestaltet sich deutlich komplizierter im anonymen Darknet als im öffentlichen Internet. Welche Schwierigkeiten ergeben sich bei der Strafermittlung im Darknet und an wen können sich User mit Hinweisen auf Straftaten wenden?

Die im Darknet verwendeten Echtzeitanonymisierungsdienste können keinen ausreichenden Schutz der Anonymität bieten, wenn ein neugieriger Dritter den ersten und den letzten Knoten einer Verbindung kontrolliert. Es ist ja seit längerer Zeit bekannt, dass die internationalen Strafverfolgungsbehörden auch mit Erfolg das Darknet überwachen. Das FBI soll sogar einzelne Tor-Knoten selber kontrollieren. Anonymisierungstechniken wie Tor oder das Bezahlen mit Bitcoin reichen daher oft nicht aus, um komplett unerkannt zu bleiben. Die Strafverfolger können hier mittels einer Kombination der guten alten Ermittlungsarbeit sowie Blockchain-/Webanalysen trotzdem zum Erfolg kommen. Deepdotweb.com, eine Art Übersichtsseite des Darknets, ist voll mit Berichten von Festnahmen. Um eine mögliche Straftat zu melden, sollte man sich an seine örtliche Polizeidienststelle wenden. Inzwischen haben größere Behörden Fachleute für Cyber-Kriminalität und können Unterstützung bei den LKAs und beim BKA anfragen.

Herr Dolle, ist es Ihrer Meinung nach erforderlich, neue Gesetz zu schaffen, um im Darknet kriminelle Machenschaften effektiv aufzudecken? Gibt es darüber hinaus noch Maßnahmen, die ergriffen werden sollten?

Meiner Meinung nach reichen die bestehenden Gesetze völlig aus. Was in meinen Augen deutlich verbessert werden muss, ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von Strafverfolgungsbehörden. Kriminelle benutzen meist zur Verschleierung Wege über verschiedene Länder. Ebenfalls müsste es in den meisten zuständigen deutschen Dienststellen mehr und besser ausgebildete Strafverfolger geben. Technische Werkzeuge wie der Bundestrojaner reichen nicht aus.

Vielen Dank!

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